Landesjägertag in Aschaffenburg
Die unten unter Punkt 1 bis 7 genannten Themen fanden in Parallelveranstaltungen statt, so daß nur ein Teil von unserer Kreisgruppe besucht werden konnte. Die gemeinsame Diskussion über die Regulierung der Schwarzwildbestände in Bayern war am späten Vormittag. Nach der Mittagspause ging es weiter mit der BJV-Landesversammlung. Präsident Prof. Vocke gab einen Bericht über die zurückliegende Tätigkeit des letzten Jahres und streifte auch aktuelle jagdpolitische Themen. Es folgte Staatsminister Eberhard Sinner mit einem eindeutig positiven Bekenntnis zur Jagd. Die Entgegennahme der Jahresrechnung und Entlastung des Präsidenten für seine Tätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr verliefen problemlos. Neuwahlen des Präsidiums und des Landesausschusses bildeten den Abschluß des Nachmittags.
zu 1. JägerausbildungDie bisherigen Änderungen der Prüfungsordnung mit der dritten zu treffenden Tontaube hat zu keiner Verschlechterung der Prüfungsergebnisse geführt. Die Schießfertigkeit der Prüflinge hat dagegen deutlich meßbar zugenommen durch die fundiertere Ausbildung. Die Einführung der Bockscheibe verhielt sich bezüglich der Ergebnisse neutral. Sorge bereiten die sinkenden Prüflingszahlen, bedingt durch Abwanderung zur Ausbildung und Jägerprüfung in andere Bundesländer. Dem soll entgegen gewirkt werden durch eine Vereinheitlichung des Prüfungsstoffs in den Regierungsbezirken. In den mündlichen Abschnitten sollen nur noch wesentliche Inhalte geprüft werden, die auch praxisorientiert sind. Es ist angedacht, einen festen Fragenpool von 1500 bis 2000 Fragen mit bekannten Antworten zu erstellen, der für die Prüfungen verbindlich ist. Eine wesentliche Erleichterung soll eine Komprimierung der Prüfungstermine sein mit nur einer schriftlichen Einladung zu allen drei Terminen. Ferner wird angestrebt, die einzelnen Prüfungsabschnitte ( schriftlich, mündlich, schießen ) einzeln ablegbar zu gestalten. Das bedeutet, daß nicht bestandene Prüfungsabschnitte dann einzeln wiederholt werden können und die Wiederholung der gesamten Prüfung entfällt. Angesprochen wurde auch die in Bayern teuerste Prüfungsgebühr aller Bundesländer. Es herrschte die einhellige Meinung, daß hier Handlungsbedarf besteht.
zu 5. Wildkrankheiten und WildernährungSeit der BSE-Krise ist es gesetzlich verboten an Wild tierisches Eiweiß oder Mineralfutter, das solche Bestandteile enthält, zu verfüttern. Aus diesem Grund hat der BJV neue Rezepturen entwickelt für rein pflanzliche Futtermittel zur Beschickung von Kirrungen und Ablenkfütterungen. Die Futterbestandteile waren Gerste, Weizen, Hafer, Körnermais, Sojabohnen und Melasseschnitzel zum Teil auch versetzt mit Geschmacksstoffen. Die einzelnen Bestandteile wurden versuchsweise in unterschiedlichen Prozentanteilen gemischt und ausgebracht. Die Akzeptanz durch das Schwarzwild war meist sehr gut, aber stark abhängig von der richtigen Wahl des Kirr- und Futterplatzes. Wichtig ist eine geeignete Ausbringung des Materials mit einem möglichst hohen Beschäftigungsanteil für die Sauen. Die beigemengten Melasseschnitzel haben den Vorteil, im Magen zu quellen und so ein längeres Sättigungsgefühl zu erzeugen. Mais als alleiniges Futtermittel ist ungeeignet, da er wegen seines Mangels an bestimmten Aminosäuren geradezu Wildschäden besonders im Grünland provoziert. Die fehlenden Aminosäuren sucht sich das Schwarzwild bei Regenwürmern, Engerlingen und anderen Kerbtieren unter der Erde. Es macht also Sinn entsprechende Futtermischungen für Kirr- und Ablenkfütterungen selbst herzustellen oder entsprechendes industrielles Futter zu verwenden.
zu 8. Regulierung der Schwarzwildbestände
Ulrich Maushake ( Grafenwöhr ) monierte, daß zu wenig weibliches Wild erlegt werde. Schon unter den Frischlingen sollte vermehrt entsprechend selektiert werden. Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein riet ebenfalls, auch bei den Überläufern schon durch genaues Ansprechen nach Geschlechtern zu unterscheiden und wenn möglich die weiblichen Stücke zu erlegen. Junge Keiler solle man lieber laufen lassen. Für die Zunahme der Wildbestände hätten sie weniger Bedeutung. Enno Piening warb für die Einführung von Schwarzwildringen, die in Franken sehr gut funktionieren auch bezüglich der Bejagung. Nur durch Vertrauensbildung und gemeinsame Maßnahmen könne man das Schwarzwild in den Griff bekommen. Hans Engelbrecht konstatierte eine stetige Ausbreitung der Sauen von Nord nach Süd. Alle bisherigen Strategien blieben bislang wirkungslos. Ein wesentlicher Hemmschuh für zielführende Aktionen zur Bewirtschaftung der Bestände seien auch die unterschiedlichen Interessen der Wald- und Feldrevierinhaber. Ernst Hahn forderte vehement eine sozial richtig gegliederte Rottenstruktur zu erreichen durch geeignete Bejagungsrichtlinien. Es dürfen weder Leitbachen noch die Bachen kleiner Rotten erlegt werden. Es muß dadurch erreicht werden, daß die Rauschzeit auf zwei bis drei Monate im Winter koordiniert ist. Vorsicht ist geboten auf Drückjagden! Führende Bachen dürfen nicht erlegt werden.
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