Die Rohdaten der Erhebungen wurden uns erst nach langem Zögern, zuletzt am 14.11.2006, per e-Mail zugeschickt. Die in Rechnung gestellten Gebühren beliefen sich für die Daten von 2006 pro Hegering und Jahr auf 30.- €, zusammen also auf 240.- € allein für das Jahr 2006. Das waren die teuersten e-Mails, die wir je erhielten. Wiederum wird der Verbiss lediglich in Prozentwerten bezogen auf die Probekreise angegeben. Eine Umrechnung der Prozentpunkte auf die durchschnittliche Zahl von verbissenen und unverbissenen Pflanzen je Hektar der Aufnahmeflächen unterbleibt wie schon seit 1986!
Die von uns eingeforderte Einberechnung aller Rohdaten der Erhebungen wird auch in den Gutachten von 2009 nicht aufgezeigt. So sind aus dem Gutachten die Radien der Probekreise nicht ersichtlich. Sie sind aber unverzichtbar, wenn Stellung bezogen werden soll zur Vegetationsdichte und zur unverbissen aufkommenden Vegetation.
Es macht keinen Sinn Prozentzahlen nur mit Prozentzahlen zu vergleichen und daraus eine Trendangabe zu entwickeln. Erst bei Umrechnung auf eine einheitliche Bezugsgröße können Entwicklungen eingeschätzt werden.
So sind Empfehlungen zu den Abschussplänen, die allein auf Verbissprozenten basieren ohne Hochrechnung auf einheitliche Bezugsgrößen völlig ungeeignet und abzulehnen.
Nach dem Umweltinformationsgesetz ist es möglich die Rohdaten der Aufnahmen zu beschaffen. Dies haben wir für den Landkreis Freising für die Erhebungen von 2000, 2003, 2006 und 2009 getan. Aus den erhaltenen Daten war es möglich die Vegetationsdichte der einzelnen Probestände für die vier Aufnahmejahre zu errechnen und zu vergleichen. Schließlich wurde über alle Probestände die durchschnittliche Pflanzendichte pro Hektar für jeden Hegering im gesamten Landkreis errechnet.
Diese Vorgehensweise wird mittlerweile von Entscheidungsträgern des Landwirtschaftsministeriums und Gutachtern als unzulässig dargestellt. Es erhebt sich allerdings schon die Frage, wie es sein kann, dass eine Methode, die seit 1986 von den Gutachtern praktiziert wurde, jetzt bei der Rückrechnung der Daten nicht zulässig sein soll, nur weil die Ergebnisse nicht das ideologisch gewünschte Resultat zeigen.
Im Folgenden wird die Tendenz der Pflanzendichten der aufgenommenen Verjüngungsflächen in den einzelnen Hegeringen für die Jahre 2000, 2003, 2006 und 2009 graphisch dargestellt. Zu betonen ist, dass für die Berechnungen nur die vom Forstamt bzw. ALF zur Verfügung gestellten Daten verwendet wurden. Auf eine Bereinigung der Daten bei weniger als 50 Pflanzen einer Art pro Hegering, wie in der Arbeitsanleitung zur Erfassung der Rohdaten vorgeschrieben, wurde verzichtet.
In den nachfolgenden Diagrammen stellen die blauen Säulen die durchschnittliche Gesamtpflanzendichte/Hektar dar. Die roten Säulen stehen für die unverbissenen und die elfenbeinfarbenen Säulen für die im Leittrieb verbissenen und/oder verfegten Pflanzen der Verjüngungsflächen.
1. Massenhausen: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
33.719, stieg bis zum Jahr 2006 auf 50.169 an und landete im Jahr 2009 bei 24.417.
Der prozentuale Verbiss betrug 11% (2000), 6,9% (2003), 8,8% (2006) und 10,3% im Jahr 2009. Die Verbissprozente alleine suggerieren eine klare Verschlechterung der Situation. Die unverbissenen Pflanzen entwickelten sich jedoch gleichzeitig von 30.010 über 45.754 auf 21.902 je Hektar.
Trotzdem lautete die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003 Abschuss erhöhen! Für 2006 stufte man den Verbiß immer noch als zu hoch ein, verzichtete aber auf eine Erhöhung des Abschusses. Als Grund wurde die positive Entwicklung des Laubholzes genannt, die sich aber mit den Erhebungszahlen nicht so klar belegen läßt (siehe Seite Entmischung). 2009 stufte man den Verbiss als tragbar ein und verzichtete auf eine weitere Erhöhung der Abschusszahlen.
2. Hohenkammer: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
16.815, stieg in nur drei Jahren auf 37.024, lag 2006 bei 61.930 und erreichte 2009 immer noch 25.067 Pflanzen / ha.
Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 25% (2000) über 15,8% (2003) auf 5,1% (2006) ab und stieg auf 15,5 % im Jahr 2009. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 12.611 über 31.174 auf 61.930 zu und sanken wieder auf 21.224 je Hektar.
Trotzdem lautete die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003: Abschuss erhöhen!
Erst 2006 wurde der Verbiß als tragbar eingestuft und der Abschuss konnte beibehalten werden. 2009 muss nun wieder der Abschuss erhöht werden.
3. Kirchdorf: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
22.311, stieg in nur drei Jahren auf 30.927 an, lag 2006 bei 36.312.und landete 2009 bei19.539.
Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 25% (2000) vorübergehend auf 21% (2003), stieg wieder auf 23,5% (2006) und betrug im Jahr 2009 25%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 16.510 über 24.432 auf 27.779 je Hektar zu. Im Jahr 2009 waren es noch 14.654.
Trotzdem lautete die Empfehlung von Seiten des Forstamts für die Aufnahmejahre 2000 bis 2006: Abschuss erhöhen! Erst 2009 musste der Abschuss nicht mehr weiter erhöht werden.
4. Attenkirchen: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
16.836 und stieg in nur drei Jahren auf 31.553 an. Im Jahr 2006 bewegte sie sich nahezu unverändert bei 31.766 und sank 2009 auf 20.750.
Der prozentuale Verbiss stieg von 25% (2000) über 25,4% (2003) auf 26,8% (2006) an und betrug im Jahr 2009 21,8%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen gleichzeitig von 12.122 über 22.592 auf 23.253 je Hektar zu und betrugen zuletzt 16.227.
Trotzdem lautete die Empfehlung von Seiten des Forstamts für alle Aufnahmejahre bis 2006: Abschuss deutlich erhöhen! Erst 2009 muss der Abschuss nicht noch weiter erhöht werden.
5. Mauern: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
11.129, stieg in nur drei Jahren auf 36.551 an,betrug 2006 bei 92.117 und landete im Jahr 2009 bei 39.066.
Gleichzeitig betrug der prozentuale Verbiss 4% (2000), sank auf 2,6% (2003), stieg wieder auf 9,5% (2006) an und betrug 2009 7,9%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 10.684 über 35.601 auf 83.366 je Hektar gewaltig zu und wiesen 2009 immer noch 35.980 auf.
Die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003: Abschuss kann beibehalten werden obwohl schon damals über 35.000 Pflanzen/ha unverbissen blieben.
Für 2006 wird eine Erhöhung der Abschußzahlen gefordert! Nun sind über 83.000 Pflanzen/ha unverbissen! Erst 2009 wird keine weitere Erhöhung der Abschusszahlen gefordert!
6. Moosburg: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
42.152, blieb in drei Jahren bei 42.306 nahezu gleich und stieg 2006 auf 49.498. Im Jahr 2009 waren es noch 29.864 je Hektar.
Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 15% (2000) auf 13,3% (2003) ab und stieg 2006 auf 21,7% (2006) an. 2009 waren es dann 22%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 35.829 auf 36.679 je Hektar zu und sind trotz des prozentual klar gestiegenen Verbisses weiter angewachsen auf 38.757 Bäume/ha. 2009 blieben 23.294 Pflanzen unverbissen.
Trotzdem lautet die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003: Abschuss erhöhen! Ganz erstaunlich entgegen der bisherigen Gepflogenheiten darf ab 2006 der Abschuss beibehalten werden, obwohl sich die Verbißprozente stark nach oben bewegt haben! 2009 muss der Abschuss wieder gesteigert werden.
Ist der Grund für 2006 vielleicht darin zu suchen, dass in diesem Hegering der Staatsforst flächenmäßig erheblich beteiligt ist und schon in der Vergangenheit das selbst gesteckte Ziel der überhöhten Abschußzahlen nicht mehr erreicht werden konnte? Auch bis 2009 konnte der Abschussplan nicht mehr erfüllt werden. Wie nun eine weitere Steigerung der Abschusszahlen erfüllt werden soll, ist rätselhaft.
7. Isarauen: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
68.982 und stieg in nur drei Jahren auf 71.661 an. 2006 sank sie auf 50.461 Pflanzen/ha und betrug 2009 immer noch 50.504.
Gleichzeitig nahm der prozentuale Verbiss von 13% (2000) über 17,5% (2003) auf 18,2% (2006) zu und liegt 2009 bei 20,8%. Die unverbissenen Pflanzen verringerten sich von 60.014 auf 59.120 je Hektar und lagen im Jahr 2006 bei 41.277. Alles Werte, die noch weit über der Pflanzendichte von Kunstverjüngungen liegen. 2009 waren 39.999 Pflanzen unverbissen.
Die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003: Abschuss von Rehwild beibehalten, beim Rotwild Abschuss deutlich erhöhen!
Auch in diesem Hegering, in dem der Staatsforst flächenmäßig hoch beteiligt ist, lautet ab 2006 die erstaunliche Empfehlung: Abschuss beibehalten mit der Differenzierung in Problembereichen stärker zu jagen. Begründung siehe Hegering 6 Moosburg??? 2009 ist die Empfehlung gleichlautend wie 2003.
8. Au/Halltertau: Im Jahr 2000 betrug die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar
19.399, stieg in nur drei Jahren auf 27.024 an und sank im Jahr 2006 auf immerhin noch 24.704. Nun stehen 29.343 Jungpflanzen auf dem Hektar.
Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 8% (2000) auf 5,4% ab, stieg auf 9,3% (2006) und liegt 2009 bei 9,8%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 17.847 auf 25.565 je Hektar zu und lagen bei der vorletzten Erhebung immer noch bei 22.406 Pflanzen/ha. 2009 standen 26.472 Jungpflanzen unverbissen auf dem Hektar.
Trotzdem lautet die Empfehlung von Seiten des Forstamts über alle Jahre bis 2006: Abschuss erhöhen! Erst 2009 sah man von einer weiteren Steigerung des Abschusses ab!
In fast allen Hegeringen ist seit dem Jahr 2000 bis 2006 eine größtenteils drastische Zunahme der Vegetationsdichten sowie der unverbissenen Pflanzen nachweisbar. Erst 2009 war eine Abnahme der Jungpflanzendichte zu verzeichnen. Wenn man bedenkt, dass für eine Kunstverjüngung bei Fichten oder Tannen nur ca. 3000 Pflanzen/Hektar und bei Buchen bzw. Laubholz ca. 7000 Pflanzen/Hektar notwendig sind, in den Hegeringen sich aber die durchschnittliche Pflanzendichte zwischen 25.000 und gut 50.000 je Hektar bewegt, so relativieren sich die prozentualen Verbißzahlen ganz erheblich.
Die vorgefundenen Vegetationsdichten liegen um ein Vielfaches über denen von Kunstverjüngungen.
Der Vergleich des prozentualen Verbisses ohne Berechnung der Vegetationsdichte je Hektar ist somit völlig ungeeignet, um eine Trendangabe des Verjüngungungspotenzials und damit eine Abschussempfehlung geben zu können. Zusätzlich ist natürlich auf eine sinnvolle Zusammensetzung hinsichtlich der Baumarten zu achten. Allerdings ist zweifelsfrei beweisbar, dass das angestrebte Ziel mit der Erhöhung der Abschußzahlen alleine in den letzten 20 Jahren in keiner Weise erreicht werden konnte (siehe Seite Entmischung).
Genauer betrachtet ist nicht der prozentuale Verbiss zu hoch sondern ganz eindeutig die Vegetationsdichte mit hoher Tendenz. Mit Zielwertrechnungen ist bei einer Vegetationsdichte von 27.000 Bäumen je Hektar und einer angestrebten Pflanzendichte von 7.000/Hektar über Äserhöhe nach viermaligem Verbiss und 10 Jahren innerhalb der Äserhöhe ein Verbiss von 55% tragbar. Bei 71.600 Pflanzen/Hektar und gleichen Bedingungen ist ein Verbiss von 65% immer noch nicht zu hoch!!!!
Die Forderung nach einer Abschußerhöhung muß also energisch zurück gewiesen werden.